Donnerstag, 7. Mai 2020


Das Fest des Lebens und die Türsteher


Die Bilder des „Studio 54“ sind Mythos geworden, haben überdauert als Symbol für grenzenloses Feiern. Erstmalig jedoch wurden in einem bekannten Club Türsteher eingesetzt mit dem Ziel, eine „interessante“ Publikumsmischung zu kreieren – eine Gratwanderung.
Natürlich sei es jedem Veranstalter überlassen, eine thematisch orientierte Party zu veranstalten an welcher beispielsweise nur Menschen mit entsprechendem Kostüm teilnehmen dürfen. Es herrscht aber Einvernehmen darüber, dass beispielsweise eine Veranstaltung nur für Menschen mit weißer Hautfarbe rassistisch wäre, verboten in demokratischen Systemen – die Kriterien des Studio 54 „schön“ oder „interessant“ waren so gesehen sehr eindeutig Gratwanderung.


                                        
Zugangsbeschränkung und Virus, es existiert eine immer noch gültige Verbindung. Seit 1988 bis 2010, über eine Dauer von 22 Jahren durften HIV-Positive Ausländer die USA nicht besuchen. Das Besuchs- und Einwanderungsverbot war Ende der 80er-Jahre ausgesprochen worden, als etliche Länder entsprechende Maßnahmen gegen die Ausbreitung von HIV/Aids in ihrer Bevölkerung ergriffen.
Aktuell gelten in 48 Ländern, Territorien und Regionen der Welt immer noch bestimmte Formen von Reisebeschränkungen, die im Zusammenhang mit HIV stehen. 18 davon verlangen in verschiedenen Fällen der Einreise eine HIV-Testung bzw. die Offenlegung des HIV-Status, elf weitere ergänzen das mit Einreise- bzw. Aufenthaltsverboten für HIV-Positive; 19 Regionen weisen ausländische Erkrankte zusätzlich sogar aus.

Auch alternative Welten kennen diese Ausgrenzung, so ist bis in die 2010er Jahre bestätigt, dass beispielsweise für das Betreten des Ashram in Poona (Osho International Meditation Resort) ein on-the-spot HIV-Test erforderlich war (Informationen über 2020 liegen nicht vor)
Laut UNAIDS schützen solche Regelungen die öffentliche Gesundheit nicht – stattdessen untergraben sie die Bemühungen und Fortschritte im Bereich der Prävention und Behandlung. „Für Millionen von Menschen in aller Welt, die mit HIV leben, sind das wiederholte Verletzungen ihres Rechts auf Privatsphäre, auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung; und sie sind eine ständige Erinnerung an das HIV-bezogene Stigma“, heißt es auf der Webseite der Organisation.

                                                                                                            
Jede Stigmatisierung, jede von außen dirigierte psychologische Präsenz einer Schwäche ist zugleich auch immer Schwächung der physischen Widerstandskräfte der Betroffenen.
Im Zuge der Covid-19 Krise werden analoge Maßnahmen diskutiert – von der „Gesundheits“-App bis zum „Gesundheits“-paß – jede dieser Maßnahmen wird stigmatisieren, Gesellschaften teilen. Der vorgeblich Resistente wird Vorteile genießen, solidarisches Handeln wird systematisch abgebaut. In Krisenzeiten, also auch den folgenden ökonomischen oder ökologischen Krisen lassen sich unsolidarische Gesellschaften leichter steuern.

Aktuell liegt es also an jedem Einzelnen, ob er durch solidarisches Handeln, also die restriktive Einhaltung einiger weniger Regeln wie Abstand gegenüber Jedem, egal ob Freund oder Unbekannter, durch das Tragen von Masken oder die Einhaltung von Hygienevorschriften die Tür zum Fest des Lebens für alle öffnet, oder ob der Weg freigemacht wird für die Türsteher, die mit ihren Apps und Pässen genau diese Tür für einige verschließen – es könnte sein, dass die "Clubbetreiber" nicht mehr auf diese "digitalen Türsteher" verzichten wollen.

copyright Fotos: D. Rapp



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