Sonntag, 12. Januar 2014

Abwesen

Gebäude werden regelhaft für einen bestimmten Zweck, für eine belebte Nutzung errichtet. Die Erfüllung dieser Belebung wird prägend.

Ist dieser Ort dann von seinem Zweck entbunden, verlassen, sei es vorübergehend oder dauerhaft, ist menschliches Leben abwesend, entwickelt sich eine eigene Stimmung. In diesem Moment der Abwesenheit menschlichen Lebens zeigt der Ort eigene Qualität, schafft Raum für Phantasie, für neue Inszenierungen.

Etymologisch leitet sich das deutsche Wort „Wesen“ her vom althochdeutschen „wesan“, das ursprünglich Verweilen an einem Ort, am Leben bleiben oder wohnen (s.a. „vàsati) bedeutet. Der Begriff Wesen im weiteren Sinne ist prägend auch in der abendländischen Metaphysik. Demgegenüber ist asiatische Philosophie und deren metaphysische Phänome geprägt vom Denken über „Abwesen“. Wer sich also dem asiatischen Verständnis von Ort und Zeit nähern will, befasst sich mit dem Verständnis dieses Abwesens. Das Abwesen ist dabei wiederum vielschichtig, nicht rein funktional oder gar starr und fixiert zu verstehen.






copyright Fotos: D. Rapp für www.genius-loci-fsm.com


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