Mittwoch, 1. April 2020


Der große Rausch und Bewegungen auf der Weltenbühne (historisches Kompendium)


Das britische Empire war als Handelsgroßmacht zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der Jagd nach Gütern wie Baumwolle, Tee oder Pfeffer. Indien wird dabei wichtiger strategischer Knotenpunkt. Dort, im Tal von Benares wächst der beste Mohn der Welt. 
Die Briten optimieren den Anbau und steigern die Produktion. Sie möchten mit Hilfe des Opiums den Zugang zum damals wichtigsten Markt der Welt erzwingen: China. Das Reich der Mitte verweigert sich dem Freihandel, es exportiert seine Waren wie Porzellan und Tee gewinnträchtig zu hohen Preisen, aber es importiert nichts. China als älteste Wirtschaft der Welt braucht keine fremden Güter, existiert weitgehend autark.

Es war nahezu unmöglich, Waren zu finden, welche man in der am weitesten entwickelten Konsumgesellschaft jener Epoche verkaufen konnte. Ein abgeschottetes Reich jedoch mit einer Schwäche, die Eliten hatten eine Neigung zum Drogenkonsum. Eine dieser Drogen wurde das Opium. Nachdem dieses als Problem erkannt war, verbat der Kaiser den Konsum von Opium in China.
Dieses Verbot einer suchterzeugenden Substanz und der Expansionswille der Engländer ist Ausgangspunkt der Geschichte des Drogenhandels – Drogen als Konsumgut, welches aus zunächst freiwilligen Konsumenten unfreiwillige Konsumenten macht.

Die honorigen Briten William Jardine und James Matheson transportieren mit Billigung und Unterstützung der britischen Regierung riesige Mengen Opium von Indien nach China. Mittels Bestechung hoher Beamter in der Bucht von Kanton schaffen sie die Droge in das Landesinnere und beginnen eine gewinnträchtige Zusammenarbeit mit mächtigen Geheimbünden, den chinesischen Triaden.



Mit der Opium- Infiltration begann die Zersetzung des bis dahin funktionierenden Staates. Im Kampf gegen die Drogensucht veranlasst der chinesische Kaiser 1839 eine große Verhaftungswelle und lässt 20.000 Kisten britisches Opium vernichten. Jardine und Matheson überreden daraufhin die britische Regierung militärisch einzugreifen – es beginnen die sogenannten Opiumkriege. Als Folge des am Ende dieses Krieges den Chinesen diktierten Friedensvertrages und dem damit einhergehenden Ende des alten China, versteht China sich noch heute als seinerzeitiges Opfer des westlichen Imperialismus.

Der Kaiser wird gezwungen, Opium zu legalisieren und Handelsschranken aufzuheben. Hongkong muss an die Briten abgetreten werden und wird Drehscheibe des Drogenhandels. Die hierfür gegründete Hongkong & Shanghai Banking Corp. (HSBC) ist heute die sechstgrößte Bank der Welt, so wie die  Jardine Matheson Group heute global player im Welthandel ist.

Die Öffnung Chinas und die chaotischen Nachkriegsszenarien lösen eine Emigrationswelle aus und mit den Chinesen und ihren Vierteln in allen Teilen der Welt verteilt sich auch die von den Briten initialisierte Drogensucht.

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