Freitag, 23. März 2018


Besondere Orte und der sound des Südens


Während in Deutschland in breiter Front und aus überraschend unterschiedlichen Kreisen gefordert wird, dass Deutschland endlich wieder auch „militärisch Verantwortung“ übernimmt, wurde in Spanien in mehreren kleinen Konzerten vor Picassos Gemälde „Guernica“ im Museo Reina Sofía des achtzigsten Jahrestages der Bombardierung durch die deutsche Legion Condor gedacht:





Jorge Drexler hat via Internet um Textvorschläge gebeten und vier der eingegangenen 1600 Vorschläge musikalisch umgesetzt - "kein rot kann so intensiv sein, wie das grau von Guernica".

Musikalisch neue Wege begeht Niño de Elche, hier u.a. mit dem Projekt Exquirla. Der Text „Destruidnos juntos“ ist inspiriert durch das Gedicht "der Marsch der 150.000.000" von Quique Falcón. 
Für Niño de Elche liegt die Faszination des Bildes auch darin, dass es traurigerweise immer noch so unglaublich aktuell ist – und damit ist im Süden spätestens seit der 2008er Krise auch wieder deutsches Streben nach politischer und ökonomischer Dominanz gemeint.

Christina Rosenvinge interpretiert das Gedicht "La victoire de Guernica" von Paul Éluard, aus eben jener Zeit, einer Zeit der leidenschaftlichen Forderung nach politischer Stellungnahme von Kunst.

Der Genuss guter Musik dürfte also eigentlich weiterhin einhergehen mit ein wenig Nachdenklichkeit.

Samstag, 16. Dezember 2017

Metempsychose oder Wiedergeburt als Kreislauf von Geschichte


Copyright Foto: Detlef Rapp

Der Mann ist der Passagier der Frau
„… der Mann ist der Passagier der Frau, nicht nur bei seiner Geburt, sondern auch in den sexuellen Beziehungen. In freier Wiedergabe eines Satzes von Samuel Butler könnte man sagen, dass das Weibchen das Mittel ist, welches das Männchen gefunden hat, um sich zu reproduzieren, um auf die Welt zu kommen. In diesem Sinne ist die Frau das erste Transportmittel der Gattung, ihr erstes Fahrzeug. Das zweite wäre das Reittier, die rätselhafte Koppelung ungleicher Körper, die zur gemeinsamen Reise gepaart werden. Die metabolischen Fahrzeuge, ob Last-, Reit- oder Zugtiere, könnten somit als die exemplarischen Resultate einer verachteten Zoophilie gelten, die mit der Verwerfung der tierischen Rohheit vergessen worden ist. In den Ursprüngen der Zähmung kommt die Frau aber noch vor dem gezüchteten und gepflegten Tier. Sie ist die erste Form von Ökonomie, in der sich noch vor der Sklavenhaltung und vor der Tierzucht die Bewegung abzeichnet, die zu den Hirtengesellschaften, zu patriarchalischen, über die Jagdzüge hinaus auf den Krieg ausgerichteten Gesellschaften führen wird.
Von der Jagd auf das Tier um des puren Überlebens willen geht man zur Jagd auf die Frau über, später zur Jagd auf den Mann. Die Jagd auf die Frau ist schon kein Abschlachten, kein Töten mehr, sondern ein Einfangen eines Bestandes an Weibchen – Schluss ist mit der Energieverschwendung, was das weibliche Geschlecht angeht, während die Männer weiterhin getötet und verzehrt werden, praktisch bis zur Ackerbaustufe, in der die Sklaverei offizielle Einrichtung wird, dank der Gefangennahme von Männern.
Es ist sinnvoll, sich diese Übertragung der Gewalt anzusehen, denn so, wie der Krieg aus Konflikten zwischen Mitgliedern derselben Gattung und nicht aus Zusammenstößen mit dem Tiervolk hervorgegangen ist, so vollzieht sich auch seine Weiterentwicklung an Hand interner Kämpfe und nicht solcher gegen Fremde.
Das Patriarchat taucht auf mit dem Einfangen von Frauen, installiert und perfektioniert sich dann dank der Viehzucht. In dieser Ökonomie der Gewalt, die der Hirtenstufe entspricht, geht die „belle“ der „bete“ voran – die Errichtung des „herrschenden“ Sexes wird von der Koexistenz zweier Bestände gefördert.
Kommen wir aber auf die Metamorphosen des Jägers zurück, so zeigt sich die Zähmung als Abschluss und Perfektionierung des Raubes. Das Blutvergießen, das sofortige Töten, steht im Gegensatz zum unbegrenzten Gebrauch von Gewalt, das heißt zu ihrer Ökonomie. Wir sehen, wie vom direkten Zusammenstoß, der mit einem Gemetzel endete, eine Evolution zunächst zur einfachen Kontrolle der Jäger über ausgewählte Arten, über die Hütung halbwilder Herden schließlich zur Züchtung und Vermehrung führt. Die Zähmung des Weiberviehs kommt in diesem Prozess noch weit vor der des Tragetieres. Die Frau dient als Lasttier, wie die Herde geht sie auf die Felder um unter Kontrolle und Überwachung des Mannes zu arbeiten. Auf den Wanderungen, bei Zusammenstößen trägt sie das Gepäck, lange vor dem Gebrauch des Hausesels ist sie das einzige „Transportmittel“. Indem sie das Tragen besorgt, kann der bedürftige Jäger sich auf das „homosexuelle Duell“ spezialisieren, kann er Männerjäger, ein Krieger werden.

Die erste Freiheit ist die Bewegungsfreiheit, die die Last-Frau dem Jagd-Mann verschafft, aber diese Freiheit ist keine „Freizeit“, sondern eine Fähigkeit zur Bewegung, die zu einer Fähigkeit zum Krieg wird. Als erste logistische Stütze trägt das derart gezähmte Weibchen den Krieg, indem sie dem Jäger die Sorge um seinen Unterhalt abnimmt. Genau wie der Eindringling das Gebiet, in das er eingedrungen ist und das er erobert hat, so einrichtet, dass es die Lenkbarkeit seiner Kräfte und Bewegungen fördert, so wird aus der geheirateten und gefangenen Frau umgehend ein Transportmittel gemacht. Ihr Rücken und ihre Hüften werden zum Modell aller Reiseausrüstungen, die gesamte Auto-Mobilität wird von dieser Infrastruktur ausgehen, von diesem getätschelten und geschlagenen Hinterteil, alle Wünsche nach Eroberung und Eindringen finden sich in darin wieder … „ 
Paul Virilio 1978

Donnerstag, 27. April 2017

Troja

Doesn’t matter whether we look at Europe or other spaces – “boarder” as one main theme of the epoch
The 1997 work by Marcos Ramirez ERRE from Tijuana is still current. Especially this area as an interface declining boarder as the division of our world - with this in mind it is talking about a special aspect of the genius loci.
“Two headed Horse of 10m high and 9m long and 4m wide at its base installed just above the line of demarcation of the border between Mexico and the United States. The piece was made out of wood, and its transparency symbolizes the evident mutual exchange, or invasion. This piece intends to question, with its sole presence, the relationship between the two countries.”  Marcos Ramirez ERRE (marcosramirezerre.com)





“Caballo de dos cabezas de 10m de alto por 9m de largo y 4m de ancho en su base, instalado exactamente por encima de la línea de demarcación de los límites entre México y los Estados Unidos. La pieza fue construida en madera y su transparencia simboliza la obviedad en el mutuo intercambio o invasión. La instalación intenta cuestionar con su sola presencia la relación entre ambos países”
“ …Soy un artista visual multidisciplinario con gran afinidad por los proyectos de sitio específico. Mi trabajo apuesta fuertemente por la importancia de la memoria histórica y la preservación de las condiciones de desarrollo humano ideales para la convivencia, como la paz, la justicia y la libertad…” Marcos Ramirez ERRE (marcosramirezerre.com)

Montag, 24. April 2017

Japón

the pavilion sessions by Tres Rombos

(www.tres-rombos.com)


"Seien wir Touristen und schwatzhaft
Die Reiseleiterin hebt das Heidenfähnchen
und ruft die Namen der Orte aus
Wir bannen den Duft des Daseins auf Fotos
Die Arme vollbepackt mit ausverkauften Souvenirs
gießen wir Tränen und andere Daten
auf die unerreichbare Erde
damit auf der Seite
die unserer Sprache gegenüberliegt
der Baum Europa wieder in die Höhe schießt"
(Yoko Tawada)























Copyright Fotos by Detlef Rapp, www.genius-loci-fsm.com

Samstag, 17. Dezember 2016


In-Group und Bewegung

Von den Völkerwanderungen vergangener Epochen bis in die Neuzeit, große Bewegungen sind kein neues Phänomen. Alleine der erste Weltkrieg hat 65 Millionen Menschen in Bewegung gesetzt. Schließt man heute die unsichtbare Masse der Illegalen ein, diese Energie im sich ausdehnenden Universum der Völker auf dem Weg ins Exil, ist diese Dimension weit überschritten. Es gibt kein Außerhalb, keinen physischen Raum zwischen dem Globalen und der Summe aller Nationalstaaten.
Die seit Jahrhunderten im mediterranen Raum einheimischen Ameisenvölker und Rassen werden aktuell von zugewanderten argentinischen Ameisen systematisch vernichtet. Die In-Group braucht das Außerhalb für das eigene Selbstverständnis. Ameisen sind nicht in der Lage, ihre Gattung insgesamt als In-Group zu verstehen und somit das Überleben ihrer Gattung als Ganzes zu sichern – ist der Mensch der Ameise überlegen, schafft er den Sprung in dieses globale Verständnis aller Menschen als eine einzige In-Group und wer ist dann das Außerhalb?

mediterrane Ameisen beim Verzehr einer Madalena

Gegensätzliche Reisebewegungen - hier die Begüterten, aber im neoliberalen Geschehen an ihre Grenzen Getriebenen, befinden sie sich im Belagerungsfieber, der Klaustrophobie derer, die das Gefühl haben, vom ökologischen Fußabdruck zerquetscht zu werden und suchen die Natur, die es noch gibt.
Dort jene, die fort müssen, als Opfer der Götzen Macht und Profit „… in der der stete Strom des geschlossenen Kreislaufs der Weltwirtschaft das Lagerhaus, das verlassene Dock zum letzten Vehikel einer großen Fortschrittsmacht macht, die die Statik der Gemeinplätze und die Stabilität der sozialen Räume nach und nach zerstört (Paul Virilio)“ – die argentinische Ameise und ihre Kollegen begleiten all diese Bewegungen.


Detlef Rapp für http://www.genius-loci-fsm.com/

Mittwoch, 11. Mai 2016

la quintaesencia y las tres pantallas

una hora, tres pantallas en tres ciudades

La quintaesencia habla de nosotros - siempre detrás de lo visible encontrar algo de la entidad del todo, de lo relativo a la totalidad. Como una reflexión de una vida de sesenta  años la quintaesencia habla de los temas importantes – el “triptychon” como simbolo: nunca solo hay un camino


quintessence and the three screens
same time, three screens at three places
quintessence is talking about the essential behind the visble
as a reflection of sixty years quintessence is talking about the important subjects – the “triptychon” as a symbol, that we always may find more than only one track 

la tierra

los lugares mágicos

el amor

masculino y feminino

la sexualidad

la religión

la guerra

movimientos

rituales

y la belleza de la vida

copyright fotos & idea: Detlef Rapp, http://www.genius-loci-fsm.com/

Freitag, 4. März 2016

Dienstag, 16. Februar 2016

… and the winner is



Turner prize winners Assemble: 'Art? We're more interested in plumbing' 

It’s been declared the death of the Turner prize: a bunch of radical young architects winning instead of an artist. Are Assemble bothered? No – they’re too busy working out how to change the world over a few pints

Assemble were given the award for their project in Liverpool’s Granby Four Streets. It revolved around the refurbishment of a group of houses in a community in Toxteth that had been ground down, ignored and disenfranchised over the years, with houses demolished or left to rot. The stalwart residents who remained refused to let others dictate how they should live, and began to clean up, planting gardens and painting murals on the wasted buildings around them. Assemble were brought in to help by the community land trust that now runs the neighbourhood. Aside from the refurbishment of 10 houses, Assemble worked with the community to establish – using the prize nomination as a launchpad – Granby Workshop, a social enterprise selling items for the home, some of them made from the rubble of demolished buildings - reconstituted into bookends, or fireplaces. (The Guardian)

“Assemble are a collective based in London who work across the fields of art, architecture and design. They began working together in 2010 and are comprised of 18 members. Assemble’s working practice seeks to address the typical disconnection between the public and the process by which places are made. Assemble champion a working practice that is interdependent and collaborative, seeking to actively involve the public as both participant and collaborator in the on-going realization of the work. For more information please use the contact details at: http://assemblestudio.co.uk”

Samstag, 30. Januar 2016

... details and change


One of these details demonstrating what's going on.

If you reach one temple of former eras, surely you might find a friendly place, where you can sit down for free. If you reach the modern temples of consume, you won't find a place like this, no chance, to sit down without consuming something.


copyright Foto: D. Rapp für www.genius-loci-fsm.com