Donnerstag, 1. August 2013

Feng Shui konkret – Vernetzung und Diskurs - Teil 1

Das Projekt Feng Shui mediterraneo arbeitet in Deutschland und Spanien. Bereits in diesem europäischen Kontext wird deutlich, dass soziokulturelles Verständnis unterschiedlicher Kulturen wichtig ist, um zu übersetzen, zu kommunizieren – ein kleines Beispiel:
Im deutschen Sprachraum gibt es den Begriff des „Strohwitwers“. Er beschreibt die Situation einer im klassischen Rollenverhältnis lebenden Familie, in einer Situation, in der die Frau mit den Kindern das Haus verlassen hat, eventuell auf Reisen ist und der Mann sich alleine im Haushalt zurecht finden muss. In Spanien wird die gleiche Situation mit dem Namen „Rodriguez“ beschrieben, begründet in madrilenischen Lebensumständen, in denen Frau und Kinder im Sommer an das Meer gefahren sind und der Mann in der Hitze der Stadt weiter arbeiten musste.
Zwei - in der nur wörtlichen Übersetzung - unverständliche Begriffe beschreiben also die gleiche Situation, eine soziokulturelle Ähnlichkeit wird erkennbar. Deutlich komplizierter wird das Verständnis von Literatur natürlich in der Begegnung mit einer ganz anderen Kultur:
 
 
"Strohwitwer" heute - auch Männer können Nudeln
 
Chinesisch/ deutsche Wort für Wort Übersetzung
               填房   das Zimmer füllen
               入贅   Hereinkommen, unerwünscht, separat
               月事   Mond, monatliche Sachlichkeit
               流浪   fließende Welle
               月旦   Mond, Geburtsmonat, Dämmerung

Ohne Kenntnis des soziokulturellen Hintergrundes ist eine sinnvolle, bzw. sinnerklärende Übersetzung nicht möglich
捲簾填房與入贅
Ein der chinesischen Schriftsprache kundiger, jedoch soziokulturell ungeschulter Übersetzer könnte wie folgt übersetzen (Fundstück): Die Leinwände sind aufgerollt, die Tochter wird eine Konkubine und der Sohn wird mit den Verwandten seiner Frau leben.
Tatsächlich beschrieben wird mit 填房 die zweite Heirat eines verwitweten Mannes, das zweite Bett im Schlafzimmer wird also wieder belebt, „gefüllt“, die Frau ist keine Konkubine, sondern nur eben nicht die erste Frau. Der Satzteil 入贅 beschreibt einen Mann aus ärmeren Verhältnissen, der in das Haus seiner aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Frau zieht, eine chinesische Tradition, allerdings nur dann, wenn die Familie keinen eigenen Sohn hatte.
 
Foto: Detlef Rapp für www.feng-shui-mediterraneo.com

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