Samstag, 9. März 2013


Horchen in der Stille

„ ... was wir denken können, alle Pläne, alle Ziele, die wir ersinnen, sind Ergebnisse unserer Erfahrungen und der Kenntnis über das Vergangene. Dagegen die Möglichkeiten, die wir nicht denken können, weil wir sie noch nicht kennen, sind gespeist aus der Zukunft, vom Leben. Es gilt, auf das Klingen der Zukunft zu horchen und so die Möglichkeiten zu finden, die wir nicht denken können, von denen wir aber fühlen, dass sie da sind, obwohl sie noch nicht da sind. Wir sind diejenigen, die sie in Form bringen können. 
Dies ist unsere Aufgabe und Verantwortung. Den Ruf der Zukunft zu hören, ohne zu denken ist der kreatürliche Moment der Gegenwart. So entsteht aus dem Nichts neue, ungedachte Form. Dabei müssen wir nicht kämpfen, nur Stille erzeugen und Horchen auf die Eingebung aus der Zukunft. Der angstfreie, freigiebige, umherschweifende Geist ist gegenwärtig und kann die neue Form empfangen. Das ist auch das, was wir mit Freiheit meinen: angstfreies Horchen. In den Momenten, in denen wir ohne Angst horchen, spüren wir Freude. Wir lieben also den kreatürlichen Moment der Gegenwart, weil wir in ihm frei sind und Freude fühlen. Arbeit an der Form ist dieses Horchen in der Stille ...“
                                               aus „Arbeit an der Form“, Klaus Becker, Bildhauer


Foto: Lanzarote (D.Rapp für www.genius-loci-fsm.com
)

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